Kindergärtner und SchülerInnen,
6. – 12. Lebensjahr

Innen 2

Untersuchung und Prophlaxesitzungen

Da sich eine erste Zahnuntersuchung spätestens mit 4 Jahren empfiehlt, haben die Kinder im Kindergarten- und Schulalter in der Regel bereits ein kontrolliertes Gebiss und haben mit ersten Zahnputzübungen beim Zahnarzt, im Kindergarten oder in der Schule bereits Kontakt gehabt. Wir können die Unterweisung im Zähneputzen und mit Ernährungsempfehlungen in unserer Praxis noch individuell unterstützen und besonders an den ab dem 6. Altersjahr durchbrechenden bleibenden Zähnen zusätzliche vorbeugende Massnahmen durchführen. Wir empfehlen deshalb in diesem Alter eine halbjährliche Kontrolle und Prophylaxesitzung. Falls bereits schon Karies an Milchzähnen entstanden ist, hat sich die Anfertigung von 2 seitlichen Röntgenbildern als sinnvoll erwiesen, da sich darauf doch oft noch kariöse Schäden in den von aussen nicht einsehbaren Zahnzwischenräumen zeigen. Etwa im Alter von 9 bis 10 Jahren empfehlen wir, wie übrigens auch die öffentlichen Schulzahnkliniken, die Anfertigung eines Übersichtsröntgenbildes zur rechtzeitigen Erkennung von fehlenden oder überzähligen Zähnen, von Fehlbildungen oder krankhaften Prozessen im Zahn- und Kieferbereich.

Die bleibenden Zähne im Wechselgebiss

Die bleibenden Zähne, welche in der ersten Phase des Zahnwechsels (siehe auch Seite: „Überwachung der Gebissentwicklung) durchbrechen, sind die mittleren und seitlichen Schneidezähne sowie hinten die ersten Backenzähne (Molaren). In einer zweiten Phase im 11./12. Lebensjahr erscheinen die kleinen Backenzähne (Prämolaren) und die Eckzähne, und zu hinterst die zweiten Molaren.

Für die bleibenden Zähne enthalten die Kinderzahnpasten zu wenig Fluorid. Ab dem 6. Altersjahr bedarf es zusätzlich zum Gebrauch des fluoridierten Kochsalzes der Fluoridzahnpasten für Erwachsene oder spezieller, für das Schulalter konzipierter Zahnpasten. Zusätzlich soll ein Einbürsten von Fluorid-Geléé zu Hause 1x in der Woche durchgeführt werden (nach dem Zähneputzen, darnach nicht mehr ausspülen). Wir beraten unsere Patienten gerne über die verschiedenen Geschmacksrichtungen und die geeigneten Produkte. Die Zahnbürste soll etwa nach der Grösse der Mundhöhle und der Zähne gewählt werden. Auf dem Markt gibt es für diese Altersspanne konzipierte Bürsten, die durchaus geeignet sind, ebenso wie elektrische Zahnbürsten mit Kinderansätzen.

Die Schneide- und Eckzähne haben recht flache und glatte Flächen, die leicht zu reinigen sind und sie stehen auch ganz vorne, wo die Zahnbürste gut hinkommt. Kariöse Schäden sind an diesen Zähnen zum Glück heute selten. Am ehesten ist die Partie am Rande des Zahnfleisches gefährdet, wenn beim Zähneputzen das Zahnfleisch nicht mitgeputzt wird. Beginnende Karies bildet dann weisse Flecken, sog. Kreideflecken am Zahnhals. Diese sind auch später noch als störende weisse Areale zu sehen, auch wenn die Entstehung eines eigentlichen Loches noch vermieden werden konnte. Es kann sich auch bereits schon Zahnstein am Zahnfleischrand bilden, welcher infolge seines Gehaltes an Bakterien eine Zahnfleischentzündung verursacht. Dies ist besonders im Unterkiefer der Fall, weil sich dort die Ausführgänge der Unterzungenspeicheldrüsen befinden. Der Kalziumphosphathaltige Speichel fliesst direkt auf die Innenflächen der Schneidezähne.

Die Molaren sind stärker kariesgefährdet, da sie ganz hinten in der Mundhöhle durchbrechen, sogar noch eine Zeit lang halb unter dem Zahnfleisch verdeckt sind und besonders da sie in der Kaufläche Grübchen aufweisen. Diese Grübchen, die auch Fissuren heissen, sind mikroskopisch gesehen ein ausgedehntes System von schluchtenartigen Einsenkungen und Furchen des Zahnschmelzes. Diese Furchen können gut 2 mm tief sein und sie sind so dünn, dass keine Borste einer Zahnbürste und auch kein zahnärztliches Instrument da hinein kommen. Die Bakterien hingegen gelangen mühelos hinein und können in der Tiefe dieser Fissuren ihr zerstörerisches Werk beginnen. Dazu kommt noch, dass der Zahnschmelz, also die äussere harte Schutzschicht des Zahnes, beim Durchbruch des Zahnes noch nicht ganz ausgereift ist, dass er seine optimale Widerstandsfähigkeit noch nicht erreicht hat. Häufig entsteht deshalb in diesen Fissuren Karies bereits schon bevor der Zahn vollständig aus dem Zahnfleisch herausgewachsen ist. Unsere Aufmerksamkeit gilt in diesem Stadium also ganz besonders diesen Backenzähnen und ihrer Gesunderhaltung. Mit einer geeigneten Putztechnik können die Kinder, bei Bedarf auch unter Mithilfe der Mutter, diese Molaren speziell gut reinigen. Mit der professionellen Zahnreinigung in der Praxis können wir zusätzlich eine maximale Reinigung des Fissurensystems erreichen und wir können dann noch mit dem Auftragen von Fluoridlack die Ausreifung und Widerstandsfähigkeit des Zahnschmelzes optimieren. Dies empfehlen wir wiederum alle 6 Monate durchzuführen. Auch kann das ganze Gebiss mit einem Fluoridgelée eingestrichen werden.

Die Fissurenversiegelung

Die Molarenfissuren sind nicht bei allen Menschen gleich tief. Beim Einen können sie eher flach, kaum furchenförmig mehr linienartig ausgebildet sein. Sie sind dann der Reinigung gut zugänglich und weniger gefährdet. Beim Anderen können sie dagegen tiefen Schluchten im Gebirge ähnlich sein, mit zahlreichen seitlichen Ausstülpungen wo keine Zahnbürste hinkommt und wo dementsprechend das Kariesrisiko weit grösser ist. Für solche Fissuren wurde zur Vermeidung von Karies die „Versiegelung“ entwickelt. Diese Methode besteht darin, dass der Zahnschmelz zuerst mit einer Säure gereinigt und angerauht wird. Darnach wird ein flüssiges Kunststoffharz eingegeben, welches bis in die Tiefe der Fissuren fliesst, sich mit dem Schmelz verbindet und dann aushärtet. Diese Technik ist aber schon recht anspruchsvoll und kann nur am trocken gelegten Zahn erfolgreich durchgeführt werden. Der Molar muss also dazu bereits vollständig aus dem Zahnfleisch herausgewachsen sein. Anderseits ist es schon zu spät für eine Versiegelung, wenn bereits Bakterien in grösserer Zahl in die Fissuren eingedrungen sind. Sie würden dann unter der Versiegelung weiter leben und Karies entwickeln, die dann erst in einem fortgeschrittenen Stadium entdeckt würde. Für die Versiegelung muss also individuell dass richtige Zeitfenster gefunden werden. Bei Zähnen mit flachen Grübchen ist sie nicht angezeigt, da der Kunststoff zu wenig Halt finden könnte und bald wieder abgesplittert würde. Bei Kindern, die schon an den Milchzähnen Karies hatten, ist die Versiegelung wiederum eher wichtig, da man wohl mit Karies in den Grübchen rechnen müsste.

Bei den zweiten Molaren, welche etwa mit 11 bis 13 Jahren erscheinen, stellt sich dasselbe Problem. Mit Fluoridlacken, allenfalls mit der Fissurenversiegelung und mit einer guten Überwachung und Reinigung kann Karies an diesen Zähnen vermieden werden. Die Kleinen Backenzähne, die sog. Prämolaren, haben im Gegensatz zu den 4-Höckrigen Molaren nur 2 Höcker und bedeutend flachere Fissuren. Bei ihnen reicht meist die Fluoridierung und Reinigung zur Vermeidung von Karies.