Zahnunfälle


Legende: Nach unten herausgedrückter Milchschneidezahn im Oberkiefer

 Jedes zweite Kind erleidet bis zum 16. Altersjahr einen Zahnunfall. Die grössere Zahl dieser Unfälle, besonders im Vorschulalter, kann als Bagetellunfälle bezeichnet werden und hinterlassen keine bleibenden Schäden. Oft kommt es aber doch zu Schädigungen bei der Zahnbildung eines bleibenden Zahnes, zum Absterben eines Nerven, zur Auflösung einer Wurzel oder zum Verwachsen der Wurzel mit dem Knochen oder gar zum Verlust eines bleibenden Zahnes. Ein späterer kosmetisch perfekter Wiederaufbau oder Ersatz eines bleibenden Schneidezahnes ist auch heute noch problematisch.

Melden Sie sich deshalb bei jedem Zahnunfall beim Zahnarzt. Die Dringlichkeit ist natürlich unterschiedlich und ist unten der Situation entsprechend dargestellt.

Generell kann es bei einem Zahnunfall (plötzliche, unvorhergesehene, starke Krafteinwirkung auf die Gesichtsweichteile, die Kiefer oder die Zähne) zu einem Bruch der Kieferknochen oder Zähne kommen, der Zahnwurzel oder der Zahnkrone oder zu Verletzungen des Zahnfleisches oder der Lippen und Wangen. Auch können Zähne verschoben, hinein- oder herausgeschlagen werden, oder sie können auch nur schon durch die Stosskraft eine Schädigung der Blutversorgung erleiden. Eine genaue Untersuchung und eine Röntgenbefund ist immer Voraussetzung für eine Diagnose des Schadens.

Bei grösseren Verletzungen oder Blutungen am Kopf und bei Verdacht auf Hirnerschütterung mit Schwindel und Erbrechen soll zuerst der Arzt oder eine Notfallstation aufgesucht werden.

Abgebrochene Zahnstücke oder ganz herausgeschlagene Zähne sollen mitgenommen werden. Sie können z.B. in Milch eingelegt zum Zahnarzt transportiert werden. In Schulen oder Sporteinrichtungen sind auch oft „Zahnrettungsboxen“ verfügbar, welche eine optimale Lösung zum Einlegen von Zahnstücken und Zähnen enthalten.

Je nach der Art der Verletzung und des Zahntyps (Milchzahn oder bleibender Zahn) muss verschieden dringlich vorgegangen werden:

 

Milchzähne:

Abgebrochene Zahnkronen:
Kleine Splitter sind kaum von Bedeutung. Grössere Defekte bedürfen einer Konsultation.

Gelockerte Zähne:
Eine Konsultation soll vereinbart werden, ist aber nicht dringend.

Verschobene Zähne:
Eine Konsultation ist dringend, soll der Zahn wieder an seinen ursprünglichen Platz zurück gerückt werden können.

Hineingeschlagene Zähne:
Die Konsultation ist wichtig, da eine Schädigung der bleibenden Nachfolgezähne möglich ist.

Herausgeschlagene Zähne:
Die Konsultation ist nötig, aber nicht dringend. Herausgeschlagene Milchzähne werden nicht mehr ins Zahnfach zurückgesetzt.

Generell können geschädigte Milchzähne auch lange Zeit nach einem Unfall noch Schäden an den bleibenden Nachfolgern verursachen. Eine weitere Überwachung ist deshalb sinnvoll.

Bleibende Zähne:

Abgebrochene Zahnkronen:
Der Zahnarzt sollte am selben Tag aufgesucht werden. Das abgebrochene Stück soll wenn möglich mitgenommen werden. Oft kann es zur Reparatur verwendet werden. Falls nicht, wird der Defekt mitzahnfarbenem Komposit-Füllungsmaterial repariert. Erst im Erwachsenenalter werden bei Bedarf Keramikkronen oder Keramikschalen angefertigt.

Gelockerte und verschobene Zähne:
Die Konsultation und Behandlung sind dringend nötig. Je früher desto besser. Ein verschobener Zahn kann gleichentags wieder zurück gedrückt werden. Falls mehr Zeit bis zur Konsultation verstrichen ist, kann der Zahn später mit Apparaturen zur Stellungskorrektur (orthodontische Apparaturen) wieder in die richtige Stellung gebracht werden.

Hineingeschlagene Zähne:
Die Konsultation und Behandlung sind dringend nötig.

Herausgeschlagene Zähne:
Der herausgeschlagene Zahn soll sofort gesucht und umgehend in einer Rettungsbox oder in Milch (notfalls ein nasses Tuch) eingelegt zum Zahnarzt gebracht werden. Bitte den Zahn nicht reinigen oder desinfizieren und möglichst nicht an der Wurzel anfassen. Meist kann der Zahn vom Zahnarzt replantiert werden.

Generell muss mit Folgeschäden an verunfallten bleibenden Zähnen gerechnet werden. Es braucht deshalb noch meist einige Jahre lang Nachkontrollen mit Röntgenbildern und Vitalitätsproben.

Vorbeugende Massnahmen:

  1. Eine Tetanusimpfung ist generell sehr empfehlenswert
  2. Ein Zahnschutz aus weichem Kunststoff kann individuell angefertigt werden und lohnt sich für viele Sportarten.
  3. Der Versicherungsschutz ist heute zwar gesetzlich im KVG / UVG geregelt und obligatorisch, sollte aber gerade bei Risikosportarten überprüft werden. Unterlagen und Bestätigungen von Unfallversicherungen sollen möglichst aufbehalten werden, um bei späteren Folgeschäden genügend dokumentiert zu sein.

Quelle: Schweizerische Zahnärztegesellschaft SSO