Die ruhige und sanfte
Behandlung unter Lachgasinhalation

Die Mundhöhle ist gerade für kleine Kinder eine sehr empfindliche Körperregion. Es ist daher nur verständlich, dass sie Ängste haben vor Dingen, die in den Mund und auf die Zähne gelangen. Dies sind etwa Instrumente, Wasser- und Luftspray, Watterollen, Medikamente oder auch das Geräusch des Bohrers. Je grösser ein Kind wird, um so mehr lernt es, mit solchen Ängsten umzugehen, vorausgesetzt dass es Vertrauen zum Zahnarzt gewinnt und dass ihm nie Schmerzen in der Mundhöhle zugefügt wurden.

Bei der Behandlung von Kleinkindern ist es deshalb sehr wichtig, sie zu beruhigen und abzulenken. Wir wollen sie dazu in eine vertrauensvolle, hypnoseähnliche Trance bringen. Dies geschieht einerseits durch die beruhigenden Worte des Zahnarztes, vielleicht durch das Erzählen einer Kindergeschichte oder durch die Begleitung mit leiser ruhiger Kindermusik und durch das Ablenken durch Bilder, welche bei uns in Form von Elefanten an der Decke über dem Behandlungsstuhl zu sehen sind. Sehr hilfreich ist dabei die Unterstützung dieser beruhigenden Trance durch das Einatmen eines Lachgas-Sauerstoff Gemisches. Lachgas wird seit über 150 Jahren in der Medizin verwendet für die Beruhigung (Sedierung), die leichte Herabsetzung der Wahrnehmung und des Bewusstseins und für die Vermittlung eines angenehmen Gefühls. Der Wirkstoff ist absolut harmlos. Das Kind verliert das Bewusstsein nicht, man kann stets mit ihm sprechen und der angenehme Trancezustand ist somit in keiner Weise vergleichbar mit einer Narkose. Zum Einatmen des Lachgases wird eine kleine Gummimaske locker auf die Nase gelegt und das Kind kann diese jederzeit nach seinem Wunsch selbst verschieben oder halten. Die Mutter (oder der Vater) darf natürlich daneben sitzen, kann vielleicht dem Kind das Händchen halten und möglichst ohne viele Worte das Vertrauen des Kindes unterstützen. Natürlich muss ein Zahn, der behandelt wird, auch in der Lachgastrance mit einer kleinen, nicht spürbaren Injektion etwas betäubt werden, damit das Kind wirklich keinen Schmerz verspürt. Auch legen wir oft eine kleine Latexmembran (Kofferdam) über den Zahn, damit Wasser und Füllungsmaterialen nicht in die Mundhöhle gelangen und der Zahn in trockenem Zustand gefüllt werden kann. Oft haben Kinder diese Membran aber auch nicht gerne, und wir können dann die Hilfsmittel auswählen, welche das Kind am besten akzeptieren kann.

Sofort nach dem Ende der Lachgaseinatmung ist die Wirkung wieder vorbei und hat keinerlei Folgen oder Nachwirkungen. Zudem ist immer Sauerstoff beigemischt, welcher am Schluss der Behandlung das Lachgas vollständig ersetzt.

Es gibt natürlich auch hie und da Kleinkinder, welche vielleicht durch vorgängige, nicht kindgerechte Behandlungsversuche, durch dramatische Erzählungen anderer Kinder oder Erwachsenen vom „Schmerz beim Zahnarzt“, durch wiederholte medizinische Eingriffe oder aus anderen psychischen Gründen bereits sehr stark verängstigt sind. Sie sind dann oft nicht dazu zu gewinnen, die Lachgastrance mitzumachen. Vielleicht sitzen sie nicht einmal auf den Behandlungsstuhl und machen ihrem Widerwillen schon im Wartezimmer lautstark Luft. Solche Kinder können dann je nach der zahnmedizinischen Dringlichkeit noch mit einer zusätzlichen Gabe eines Schlafmittelsirups beruhigt werden. Wenn sie aber sehr viele kariös zerstörte Zähne haben, ist die Sanierung in Narkose am sinnvollsten.
(Siehe Kapitel „Prämedikation“ und „Narkosebehandlung“)