Konservierende Behandlungen im Milch- und Wechselgebiss

Füllungen, Stahlkronen, Lückenhalter

Kariöse Milchzähne sind generell behandlungsbedürftig da sie

  1. Zahnschmerzen und eitrige Abszesse verursachen können
  2. Als Platzhalter für die bleibenden Zähne dienen müssen
  3. Nachbarzähne, auch bleibende mit Kariesbakterien anstecken können.

Milchzähne sind recht klein, haben eine dünne schützende Schmelzschicht und innen eine grosse Nervhöhle. Der kariöse Prozess, also ein „Loch“ kann deshalb sehr schnell bis in die Nervhöhle fortschreiten.

Als Füllungsmaterial für die Milchzähne hat sich in den letzten zwanzig Jahren das zahnfarbene „Komposit“ durchgesetzt. Es ist dies ein Material, welches sich aus einem Kunststoffharz (Diakrylat) und anorganischen Füllpartikeln (Glas, Silikat, Quarz) zusammensetzt. Dank der Schmelzätztechnik und dem Dentinverbund kann dieses Material sehr dicht mit der Zahnsubstanz verbunden werden.

Das Legen einer Kompositfüllung ist technisch schon recht anspruchsvoll und bedingt, dass das Kind die Behandlung gut mitmachen kann. Der Zahn muss mit Watterollen oder mit einer Latexmembran (Kofferdam) trocken gelegt werden können und das Kind muss doch für etwa 20 Minuten den Mund ruhig offen halten können. Falls das bei noch kleinen Kindern im Alter von vielleicht 3 – 5 Jahren oder bei noch sehr ängstlichen Kindern nicht möglich ist, müssen wir uns oft mit einer Provisorischen Füllung begnügen, welche dann ein oder zwei Jahre später durch eine definitive Füllung ersetzt werden kann.

Bild: „Komposit, Kofferdam:  Legende: 2 Kompositfüllungen unter Kofferdam
Bild: Kompositaufbau MZ, Legende: aufbau eines Milchmolaren mit Komposit

Ist der kariöse Prozess bereits bis in die Nervhöhle fortgeschritten, so wird das Nervgewebe aus dieser Höhle herausgeschält (Nervamputation). Die Höhle selbst wird dann mit einem Zement gefüllt. Darüber kann dann wieder eine Kompositfüllung gelegt werden, oder der Zahn kann mit einer Stahlkrone aufgebaut werden.


Nervhöhle nach Nervamputation mit Zement aufgefüllt

Stahlkronen verwendet man vor allem dort, wo ein Milchzahn schon stark kariös zerstört ist. Da die Milchzähne sehr zerbrechlich sind, bringt die Kompositfüllung in diesen Fällen nicht genügend Stabilität.

Wenn die Wurzel eines Milchzahnes von Bakterien infiziert ist, kann sie meist nicht infektionsfrei gehalten werden. Es besteht in diesem Fall das Risiko, dass der darunter liegende Keim des nachfolgenden bleibenden Zahnes geschädigt wird. Ein weiteres Erhalten des infizierten Milchzahnes ist dann nicht mehr zu verantworten. Der Milchzahn muss dann extrahiert werden.

Um die Lücke für den späteren Durchbruch des bleibenden Nachfolgers offen zu halten, ist das Anbringen eines Lückenhalters erforderlich, es sei denn der Durchbruch des Nachfolgers ist schon in Bälde zu erwarten. Für einen Lückenhalter sind verschiedene Konstruktionen möglich.

Schmerzausschaltung

Die Behandlung eines kariösen Zahnes wollen wir gerade bei Kindern schmerzlos vornehmen. Das beste Mittel dazu ist auch heute noch die Lokalanästhesie in Form einer Injektion. Um den Einstich schmerzlos vornehmen zu können, betupfen wir die entsprechende Stelle der Schleimhaut mit einem Tropfen eines Oberflächenanästhetikums und wir verwenden die feinsten und kleinsten Nadeln. Falls die Behandlung unter Lachgas durchgeführt wird, hilft auch dieses Mittel mit, die Schmerzempfindung zu unterdrücken. Sinnvoll ist auch eine zu Hause vorgängige Einnahme eines Kinderschmerzmittels.

Leider hinterlässt die Lokalanästhesie noch für gut 1 – 2 Stunden das für das Kind etwas unangenehme und störende Betäubungsgefühl. Die Kinder beissen auch gerne auf der betäubten Lippe oder Wange herum, weil sie dieses Gefühl noch nicht kennen, und sie glauben, es sei etwas Störendes zwischen den Zähnen. Dadurch kann es zu Bissverletzungen kommen, die dann noch einige Tage lang recht schmerzhaft sind. Beim nach Hause gehen, sollte man deshalb darauf achten, dass sich das Kind nicht auf die betäubte Lippe beisst.