Säugling, Kleinkind und Vorschulalter

Die ersten Milchzähnchen erscheinen etwa im Alter von 6 Monaten, wobei es individuell allerdings grosse Unterschiede gibt. Vom Zeitpunkt an, ab welchem die ersten Zähne in die Mundhöhle durchgebrochen sind, kann Karies entstehen. Somit sind ab diesem Zeitpunkt Untersuchung und vorbeugende Massnahmen sinnvoll.

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Während der Behandlung können Kinder Trickfilme schauen.

Karies beim Kleinkind

Karies entsteht aus dem Zusammenspiel von mehreren Ursachen. Im Prinzip wird aber immer Zucker durch Bakterien zu Säure vergärt, was zur Entkalkung des Zahnschmelzes und damit zum Beginn eines „Loches“, eben zur Zahnfäulnis führt. Der Mundspeichel hat die wichtige Funktion, die entstehenden Säuren zu neutralisieren und zu puffern. Dazu braucht es Zeit, ca. 30 – 45 Minuten nach einem Säureangriff. Der Speichel muss zudem in der normalen Qualität und Menge vorhanden sein. Durch sehr häufiges Trinken wird der Speichel stark verdünnt und in der Nacht wird bedeutend weniger Speichel von den Drüsen produziert als am Tag.

In diesem Zusammenhang erklärt sich die Karies an den Milchzähnen des Kleinkindes, welche auch oft als „Schoppenkaries“ bezeichnet wird. Die hauptsächlichen Ursachen sind folgende:

  1. Häufiges Trinken von zuckerhaltigen Getränken aus einer Schoppenflasche oder auch aus dem Glas, besonders, wenn dies während der Nacht geschieht.
  2. Häufiger Genuss von Süssigkeit oder zuckerhaltigen breiigen oder festen Speisen.
  3. Stillen mehr als 12 Monate nach der Geburt, besonders nachts (Die Muttermilch enthält Milchzucker).
  4. Bewuchs der Milchzähne mit Bakterienbelag (Plaque) bei ausbleibendem Reinigen der Zähne.
  5. Übertragung von Bakterien aus dem Mund der Eltern oder anderer Personen in Familie und Umfeld, wenn diese ihre Zähne nicht regelmässig reinigen.


Die Vermeidung von Karies beruht auf folgenden Prinzipien:

  1. Bakterien und Zucker sollen möglichst nicht in die Mundhöhle des Kleinkindes gelangen und sollen von den Zähnen des Kleinkindes entfernt werden.
  2. Der Speichel soll nicht verdünnt werden.
  3. Die Qualität und Widerstandskraft des Zahnschmelzes kann durch Anreicherung mit dem Spurenelement Fluorid verbessert werden.


Zur Umsetzung dieser Prinzipien können die folgenden Empfehlungen abgegeben werden:

    • Häufiges Trinken in Abständen von weniger als 40 Minuten, besonders von zucker- oder säurehaltigen Getränken und besonders aus Schoppen- oder anderen Trinkflaschen und besonders während der Nacht soll vermieden werden. Als Schoppengetränke eignen sich am besten Milch und Wasser. Der Schoppen wird mit Vorteil mehr oder weiniger in einem Zug ausgetrunken und darnach soll eine längere Pause bis zum nächsten Getränk gemacht werden.
    • Stillen nach dem 12. Lebensmonat, besonders in der Nacht, sollte ohne zwingenden Grund vermieden werden.
    • Süssigkeiten und zuckerhaltige Speisen und Getränke gehören zwar zum Leben, sollten aber auf besondere Gelegenheiten mit genügenden zeitlichen Abständen und auf vernünftige Mengen beschränkt werden. Je später das Kind damit in Kontakt kommt, umso geringer ist das Kariesrisiko. Eine frühe Gewöhnung an Speisen wie Salate, Milchprodukte, Fleisch, frische Früchte, Obst und Gemüse helfen mit, das Gebiss gesund zu erhalten. 
    • Der Nuggi und der Schoppenansatz des Kindes sollten nicht von anderen Personen, auch nicht von der Mutter, in den Mund genommen werden. Besonders nicht von Personen mit ungenügender Mundhygiene oder mit Zahn- oder Zahnfleischerkrankungen.
    • Schon die ersten Milchzähne sollten mit geeigneten Säuglings- und Kinderzahnbürsten 1 – 2 mal täglich gereinigt werden. Dies soll spielerisch und ohne Zwang geschehen. Der Wickeltisch eignet sich dazu sehr gut. Es ist schon gut, wenn das Kleinkind auf der Bürste mit der Kinderzahnpasta hin und her kaut und man dazwischen wieder einzelne Putzbewegungen ausführen kann. Mit zunehmendem Alter wird dies immer besser in eine eigentliche Zahnputztechnik übergehen.
    • Das Spurenelement Fluorid wird auf folgenden Wegen vermittelt:
    • Das Kochsalz „Jurasalz“ enthält Jodid und Fluorid (250 ppm)
    • Die Kinderzahnpasten enthalten Fluorid (ca. 250 ppm)
    • Falls bereits Karies entstanden ist, können auch Zahnpasten für Erwachsene oder für ältere Kinder mit höherem Fluoridgehalt verwendet werden. Ebenfalls können auch Fluoridtabletten in einer vom Zahnarzt empfohlenen Dosis vom Kleinkind eingenommen werden. Hochfluoridhaltige Gelées können ebenfalls in einer vom Zahnarzt angegebenen Menge und Abstand auf einzelne Zähne mit beginnender Karies aufgestrichen werden.
    • Der Zahnarzt kann in der Praxis Fluoridlacke auf gefährdete Zahnflächen auftragen. Falls das Kind noch zu klein ist, dass ein „Loch“ mit einer Füllung korrekt versorgt werden könnte, kann er die kariöse Zahnsubstanz mit einer Silbernitratlösung imprägnieren und / oder eine provisorische Füllung legen, bis das Kind älter ist und eine richtige Behandlung mitmachen kann.